... ich war ein verborgener Schatz und wollte erkannt werden ...

Hermann HesseIn dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch. Alle möglichen Dinge, die sonst nie geschehen wären, geschehen, um einem zu helfen. Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch die Entscheidung, und er sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und Hilfen, die sich kein Mensch vorher je so erträumt haben könnte. Was immer Du tun kannst oder wovon Du träumst, fang es an. In der Kühnheit liegt Genie, Macht und Magie.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

© 2026 Akademie-Lichtung

 Mark-Uwe Kling"Es könnte doch sein, dass Gott gar kein DJ ist, sondern ein Arschloch ist" sagt das Känguru

"Wahrscheinlich ist er sogar beides" sage ich. "Ein DJ, der auf einem Kindergeburtstag die ganze Zeit Rammstein spielt"

"Exactemento" sagt das Känguru. "Du kennst doch bestimmt den Spruch, dass Gott die Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat. Kuck dich mal um! Wenn man davon ausgeht, dass Gott ein Arschloch ist, ergibt das plötzlich mächtig Sinn."

"Allerdings", sagte ich grübelnd.

"Oder nimm die Klimakatastrophe", sagt das Känguru, "Den armen Ländern drohen Dürre, Überschwemmungen, Tod und Verderben, und uns Verursacher erwartet: besseres Wetter.
Zufall? Nein. Ein schlechter Witz eines hämischen Schöpfers. Haste die Bibel gelesen?"

"Na Ja" sage ich. "So halb. Die beste Lektüre, um jemanden zum Atheisten zu machen."

Mark-Uwe Kling (*1982)
aus: "Die Känguru-Chroniken" Teil 1

über Gott ...

(Gott spricht)

 Ibn ArabiHört, ihr Geliebten!
Ich bin die Wirklichkeit der Welt, der Mittelpunkt des Kreises,
ich bin die Teile und das Ganze.
Ich bin der Wille, der zwischen Himmel und Erde wirkt,
ich habe die Wahrnehmung in euch geschaffen, nur um das
Objekt meiner Wahrnehmung zu sein.
Wenn du mich dann wahrnimmst, nimmst du dich selbst wahr.
Aber du kannst mich nicht durch dich selbst hindurch wahrnehmen.
Es ist durch meine Augen, dass du mich siehst und dich selbst siehst,
durch deine Augen kannst du mich nicht sehen.

Zeilen aus dem Kitab al-Tajalliyat (Das Buch der göttlichen Selbstoffenbarung) des großen Sufi-Meisters Ibn ‘Arabi,
übersetzt von Henry Corbin (1970) in seinem monumentalen Werk: Creative Imagination in the Sufism of Ibn ‘Arabi 

Ibn 'Arabi (1165-1240)

Das ganze Gedicht im Original auf Englisch externHIER