... ich war ein verborgener Schatz und wollte erkannt werden ...

Rainer Maria Rilke um 1900

... und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, ... Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben.
... es handelt sich darum, alles zu leben.

Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.   ...

Darum ... lieben Sie Ihre Einsamkeit, und tragen Sie den Schmerz, den sie Ihnen verursacht, mit schön klingender Klage.

Denn die Ihnen nahe sind, sind fern, sagen Sie, und das zeigt, daß es anfängt, weit um Sie zu werden. Und wenn Ihre Nähe fern ist, dann ist Ihre Weite schon unter den Sternen und sehr groß;

freuen Sie sich Ihres Wachstums, in das Sie ja niemanden mitnehmen können, und seien Sie gut gegen die, welche zurückbleiben, und seien Sie sicher und ruhig vor ihnen und quälen Sie sie nicht mit Ihren Zweifeln und erschrecken Sie sie nicht mit Ihrer Zuversicht oder Freude, die sie nicht begreifen könnten.

(Rainer Maria Rilke 1875 – 1926
aus einem Brief an Franz Xaver Kappus)

 
 

 

 

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Das Leben einer Mutter

Bring Deinen Teller bitte in die Küche.
Nimm das mit runter, wenn Du gehst.
Lass das nicht da, nimm es mit hoch.
Ist das Deins?
Schlag deinen Bruder nicht.
Ich spreche mit Dir.
Eine Minute bitte. Kannst Du nicht sehen, dass ich rede?
Ich sagte: Unterbrich mich nicht.
Hast Du Deine Zähne geputzt?
Was machst Du aus dem Bett?
Geh zurück in Dein Bett.
Du darfst nachmittags nicht fernsehen.
Was meinst Du damit, es gäbe nichts zu tun?


Geh raus.
Lies ein Buch.
Mach es leiser.
Geh vom Telefon weg.
Sag Deiner Freundin, dass Du sie zurückrufst. Jetzt!
Hallo. Nein, sie ist nicht zu Hause.
Sie wird dich anrufen, wenn sie zu Hause ist.
Zieh deine Jacke an. Zieh ein Sweatshirt an.
Nimm irgendeins.
Jemand hat seine Schuhe vor dem Fernseher gelassen.
Hol Deine Spielsachen aus dem Hagel. Hol die Jungs aus der Badewanne. Räum
Deine Spielsachen von der Treppe.
Weißt Du, dass Du jemanden töten könntest?
Beeil Dich.
Beeil Dich. Alle warten.
Ich zähle bis zehn und dann gehen wir ohne Dich.
Warst Du auf dem Klo?
Wenn Du nicht gehst, wirst Du nicht weggehen.
Ich meine das so.
Warum bist Du nicht gegangen, bevor Du weggingst?
Kannst Du es nicht halten?
Was ist da hinten los?
Hört auf.
Ich sagte: „Hört auf!“
Ich will davon nichts hören.
Hört auf, oder ich bringe Euch sofort nach Hause.
Das war's. Wir gehen heim.
Gib mir einen Kuss.
Ich will eine Umarmung.
Mach Dein Bett.
Räum Dein Zimmer auf.
Deck den Tisch.
Ich will, dass Du den Tisch deckst!
Erzähl mir nicht, Du bist nicht dran.
Bitte rücke Deinen Stuhl an den Tisch.
Sitz aufrecht.
Versuch es ein bisschen. Du musst nicht alles essen.
Hör auf zu spielen und iss.
Würdest Du aufpassen, was Du tust?
Stell Dein Glas anders hin, es ist zu nah am Rand.
Pass auf!
Mehr, was?
Mehr bitte. So ist es besser.
Iss wenigstens einen Bissen Salat.
Du bekommst nicht immer, was Du willst. So ist das Leben.
Streite nicht mit mir. Ich werde nicht mehr darüber diskutieren.
Nein, keine zehn Minuten mehr.
Noch eine Minute.
Wie oft habe ich Dir gesagt, Lass das.
Wo sind die Kekse hin?
Esst erst die alten Früchte, bevor ihr die neuen esst.
Ich gebe Dir keine Pilze. Ich habe alle Pilze herausgenommen. Siehst Du?
Hast Du Deine Hausaufgaben gemacht?
Hör auf zu schreien. Wenn Du mich was fragen willst, komm her.
HÖR AUF ZU SCHREIEN. WENN DU MICH WAS FRAGEN WILLST, KOMM
HER.
Ich werde darüber nachdenken.
Nicht jetzt.
Frag Deinen Vater.
Wir werden sehen.
Sitz nicht so nah am Fernseher, das ist schlecht für die Augen.
Beruhige Dich.
Beruhige Dich und fang nochmal an.
Ist das die Wahrheit?
Schnall Dich an.
Haben sich alle angeschnallt?
Es tut mir leid, so sind die Regeln.
Es tut mir leid, so sind die Regeln.
Es tut mir leid, so sind die Regeln.