... ich war ein verborgener Schatz und wollte erkannt werden ...

Rainer Maria RilkeUnsere größten Ängste sind die Drachen,
die unsere tiefsten Schätze bewahren

Vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten uns einmal schön und mutig zu sehen.
Vielleicht ist alles Schreckliche im Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

© 2026 Akademie-Lichtung

Berichtigung

Abdullah Ben Yahya zeigte einem Besucher ein Manuskript von eigener Hand. Der Mann sagte: „Aber dieses Wort wurde falsch geschrieben.“

Er strich das Wort sofort und schrieb es so, wie es sein Gast für richtig hielt. Als der Mann gegangen war, wurde Abdullah gefragt:
„Warum hast Du das gemacht, wo Du doch weißt, dass die ‚Korrektur‘ tatsächlich nicht passend war. Und Du hast das falsche Wort geschrieben, wo doch das Original
richtig war?“

Er antwortete: „Das war eine soziale Angelegenheit. Der Mann dachte, dass er mir helfen würde und dachte, dass der Ausdruck seines Unwissens ein Hinweis auf seine Kenntnisse wäre. Ich wendete das kultivierte und höfliche Verhalten an, nicht das wahrhaftige Verhalten, denn wenn Menschen Höflichkeit und sozialen Austausch wollen, können sie die Wahrheit nicht ertragen. Wäre ich im Verhältnis eines Lehrers zum Studenten zu diesem Mann gestanden, wäre die Sachlage anders gewesen.

Nur dumme Menschen und Pedanten meinen, dass es ihre Aufgabe sei, alle zu belehren, wo der Beweggrund der Menschen doch generell nicht ist, belehrt zu werden, sondern Aufmerksamkeit zu erregen.“