... ich war ein verborgener Schatz und wollte erkannt werden ...

Hermann Hesse

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, blüht jede Weisheit auch und jede Tugend zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne, um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in and're, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, an keinem wie an einer Heimat hängen, der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen!  Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde uns neuen Räumen jung entgegen senden: des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse (1877 - 1962)
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 hik1 new 150x200„In den Begriffen der Sufis wird die göttliche Handlungsweise Akhlak Allah genannt. Wir denken, sprechen und handeln in der Tonhöhe, auf die unsere Seele gestimmt ist. Der höchste Ton, auf den jemand gestimmt werden kann, ist der göttliche Ton; wenn wir diese Tonhöhe erreicht haben, beginnen wir, in allem, was wir tun, die Verhaltensweise Gottes auszudrücken. Was ist die Verhaltensweise Gottes? Es ist eine königliche Art, die jedoch nicht einmal den Königen bekannt ist. Nur der König des Himmels und der Erde kennt diese Art und Weise; die Seele, die auf Gott eingestimmt ist, drückt sie aus. Diese Art ist frei von Enge, Stolz und Eitelkeit und nicht nur schön, sondern die Schönheit selbst, denn Gott ist schön und Gott liebt die Schönheit.

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Vielleicht denken Sie, was tut eine solche Person für andere, was nützt sie ihrem Umfeld? Diese Person ist heilsam für ihre Mitmenschen; sie verströmt eine Atmosphäre, die die Seelen erhebt, die unter der Enge und Begrenztheit der menschlichen Natur leiden. Die menschliche Natur ist nicht nur eng und begrenzt, sondern auch töricht und tyrannisch, denn die Natur des Lebens ist berauschend. Der Rausch macht die Menschen betrunken. Was wollen Betrunkene? Sie wollen ihren Drink, und sie denken nicht an andere...

Die Seele mit göttlicher Gesinnung ist nüchtern, verglichen mit den trunkenen Menschen der Welt. Diese Nüchternheit erzeugt in einem Menschen jene Reinheit, die Sufismus genannt wird; durch diese Reinheit reflektiert sich Gott in seiner oder ihrer spiegelgleichen Seele.“

Hazrat Inayat Khan (1882 - 1927)

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