... ich war ein verborgener Schatz und wollte erkannt werden ...

J. W. von Goethe

Die Lust am Betrug und am Selbstbetrug eint Täter und Opfer. Nicht selten glaubt der Scharlatan selbst, was er sagt; das lernt er im Lauf seiner Karriere - nicht zuletzt, weil seine Kundschaft ihm fanatisch anhängt.
Dabei ahnen alle die Gefahr. Doch die Hoffnung auf eine wunderhafte Wendung scheint ihnen immer noch trostreicher als der Trott des gesunden Menschenverstandes.

Strenger ausgedrückt: Es ist erbärmlich anzusehen, wie die Menschen nach Wundern schnappen, um nur in ihrem Unsinn und Albernheiten beharren zu dürfen, und um sich gegen die Ohnmacht des Menschenverstandes und der Vernunft wehren zu können.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

 
 

 

 

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Der Mönch und der Samurai

Ein großer starker Samurai besuchte einmal einen kleinen Mönch.  "Mönch", sagte er mit einer Stimme, die sofortigen Gehorsam gewöhnt war, "lehre mich über Himmel und Hölle!"

Der Mönch schaute zu dem mächtigen Krieger empor und antwortete mit energischem Missfallen: Dich über Himmel und Hölle belehren? Ich könnte Dir nichts beibringen. Du bist schmutzig, Du stinkst. Deine Klinge ist rostig. Du bist eine Schande und Beleidigung der Samurai. Geh mir aus den Augen. Ich kann Dich nicht ausstehen. Der Samurai war rasend. Er zitterte, wurde rot im Gesicht und sprachlos vor Wut. Er zog sein Schwert und erhob es über sich, um den Mönch zu erschlagen.

Das ist die Hölle, sagte der Mönch sanft.

Der Samurai war überwältigt. Das Mitgefühl und die Hingabe dieses kleinen Mannes, der bereit war, ihm sein Leben zu opfern, um ihm diese Lehre zu erteilen – um ihm die Hölle zu zeigen! Langsam senkte er sein Schwert, von Dankbarkeit erfüllt und plötzlich ganz friedlich.

Und das ist der Himmel, sagte der Mönch sanft.

Aus dem Englischen:

The Monk and the Samurai

 A big tough samurai once went to see a little monk.  'Monk', he said, in a voice accustomed to me instant obedience, 'teach me about heaven and hell!'

The monk, looked up at his mighty warrior and replied with active disdain, teach you about heaven and hell? I couldn't teach you about anything. You are a dirty. You smell. Your blade is rusty. You are a disgrace, and embarrassment to the Samurai class. Get out of my sight. I cannot stand you. The samurai was furious. He shook, got all red in the face, was speechless with rage. He pulled out his sword and raised it above him, preparing to slay the monk.

That is hell, said the monk, softly.

The samurai was overwhelmed. The compassion and surrender of this little man who offered him his life to give this teaching. To show him hell! He slowly put down his sword, filled with gratitude, and suddenly peaceful.

And that is heaven, said the monk, soft.